Herzlich Willkommen auf dem neuen gemeinsamen BLOG des Karatedôjô Fujinaga Leipzig e.V. und des Budoverein Fujinaga Berlin e.V.!
An dieser Stelle möchten wir dem interessierten Besucher mit Beiträgen, Berichten und Bildern einen Einblick in unser Training, unsere Aktivitäten und unsere Erlebnisse gewähren. Dabei soll immer auch unser Verständnis und unser Antrieb, mit dem wir in unseren Dôjôs Karate praktizieren, zum Ausdruck kommen.
Unsere Vereine widmen sich der Pflege und Ausübung des traditionellen Shotokan-Karate, wie es von der JKA (Japan Karate Association) unter der Leitung von Masatoshi Nakayama entwickelt wurde. Insbesondere wird das Erbe der Lehrtätigkeit von Yasuyuki Fujinaga Sensei in stillem Gedenken die Vereinsmitglieder auf ihrem Weg des Karate begleiten. Er vermittelte den Gründern beider Vereine unschätzbare Anregungen und Einsichten.

Weitere Informationen finden Sie auf unseren Homepages.

Sonntag, 20. November 2016

Tag 7 Nihon 2016 - Hochzeit


Heute mal ein Tag ohne Karate. Ich schreibe gleichwohl einen kurzen Block, weil heute der BLOG-Administrator René in Osaka zur Hochzeitsfeier geladen hatte.


Die Feier fand im XEX West Club im Herbis Ent Hilton Plaza in Osaka statt. Es war eine kurze aber intensive Feierlichkeit von gut 3 Stunden, wobei ich mir sagen lassen habe, dass japanische Hochzeiten und auch sonstige feierliche Anlässe nicht so lange dauern wie  etwa in Deutschland.

Neben Familie waren Freunde, Arbeitskollegen, Studienkameraden und andere Wegbegleiter Beider aus allen Teilen Japans angereist – die weiteste Anreise war natürlich ich.


Nachdem alle Gäste nach Tischordnung Platz genommen hatten trat das Brautpaar in den Raum. Es wurde eine Ansprache gehalten. Es gab ein 4-Gänge-Menü, eine schöne Torte wurde angeschnitten und verzehrt. Die Brautleute wurden interviewt – etwa zum Moment des ersten Kennenlernens oder zu den Vorzügen des Partners.


Es gab einen Schnick-Schnack-Schnuck-Contest und man konnte Spezials aus Old-Germany gewinnen. Es wurde ein Fotodoku zum Großwerden der Brautleute gezeigt und am Ende wurden alle Gäste in einem kineastischen Beitrag gewürdigt und verabschiedet.  

Alle Gäste konnten zu den Brautleuten gehen und es gab viele Einzelgespräche – auch untereinander. Natürlich wurden Unmengen von Bildern geknipst – u.a. auch mit einer 360 Grad Kamera. Apropos Vergreisung der japanischen Gesellschaft - es waren in großer Anzahl Kleinstkinder anwesend - allein an unserem Tisch saßen 2.

Zum Ende hin gab es nochmals eine Danksagung der Brautleute vor allem auch an die Eltern und die Schwester der Braut. Die Braut hat sich für all den Kummer, den ihre dauerhafte Abwesenheit von Japan für die Familie mit sich bringt bei Ihren Eltern und der Schwester entschuldigt. Obwohl Hisae mit René nun glücklich verheiratet ist, weiß Sie um das damit verbundene Leid für Ihre Eltern und Familie.

Engster Familienkreis
Da bekomme ich beim Schreiben gleich nochmal feuchte Augen.

Samstag, 19. November 2016

Tag 5 Nihon 2016

Nach einem zünftigen Ramen-Frühstück am Tsukiji-Markt habe ich die neue Familiengruft der Familie Fujinaga besucht. Nach dem nun auch beide Eltern von Fujinaga Sensei mit über 100 Jahren verstorben sind, ist die Familie mit der Grabstätte von Tamarein nach Minato-ku in die City von Tokyo umgezogen.

Die Verwaltung hat sofort mit dem Familienoberhaupt, dem älteren Bruder von Fujinaga Sensei Rücksprache gehalten, und nach meiner Audienz wurde ich in das Büro gebeten und es wurde ein Telefonat arrangiert.
Es gab auch ein Zwischenstopp am Budokan. Einerseits hat man dort jugendliche Freaks angetroffen, die für irgendwelche Karten (My First Story) Karten anstanden. Andererseits liefen hunderte Kinder in Uniform und Reih und Glied entlang – alle hatten Tüten in der Hand. Es wurde herbstliches Laub wohl zu Anschauungszwecken gesammelt.

Nach dem ich mein Fahrrad abgegeben  und die 1. NachmittagsSession im Honbu Dojo verpennt habe, konnte ich lediglich 2 Einheiten absolvieren. Liebe Leute – mein Jetlag dieses Jahr ist unglaublich. Er in der 5. Nacht konnte ich halbwegs vernünftig schlafen. Der volle Mond soll schuld haben ich mir hier sagen lassen.
Chubachi Sensei und Hanzaki Sensei gaben sich die Mühe.
Die Reminiszenz beider Einheiten war, das ein grundlegendes Thema im Training ausreicht. Ich habe früher auch dazu geneigt, den Schülern möglichst viel in jedem Training mitzugeben. Das führt zu einer Überfrachtung des Trainings und vor allem zur Überforderung der Schüler mit dem schlechten Ergebnis, dass die Schüler im Zweifel gar nix mitnehmen.
Beide Sensei haben im Stand Vorübungen vollziehen lassen um dann im Partnertraining die Sache zu testen. Im Abschluss gab es Kata, wobei die Aspekte der vorherigen Übungen in den Kata wieder aufgegriffen wurden.
In allen bisherigen 8 Einheiten ist mir wieder aufgefallen, dass die Senseis im Training die Dreifaltigkeit des JKA-Karate beherzigen – Kihon-Kata-Kumite.
So soll es sein.

 

Donnerstag, 17. November 2016

Tag 4 Nihon 2016


Zunächst Exkurs 1: Ich denke ich bin ein Orientierungstyp. Mittlerweile könnte ich Radtouren durch Tokyo organisieren. Die Japaner schauen mich ungläubig an, wenn ich nachts von Shibuya nach Ryogoku fahre – und dabei nicht einmal auf die Karte schaue.
Aber eine Sache werde ich nicht los – komisch wie der Mensch so tickt. Regelmäßig kommt es vor, dass wenn ich gedankenlos abfahre, ohne vorher die Richtung zu sondieren, dass ich entgegengesetzt fahre. Oder etwa Gegenteilig: wenn ich mir zum hundertsten Male vorher genau überlege, ob ich vorne oder hinten in die Bahn einsteige, um am Zielbahnhof optimal auszusteigen – ich liege gleichwohl meist falsch, was mir sonst woanders nie passiert.

Der Grund: Unser Kopf ist Rechtsverkehr gewöhnt und justiert alles danach. Da ist man mit dem Linksverkehr aufgeschmissen – egal ob man intuitiv oder wohlüberlegt agiert. Exkurs 1 Ende.

Trainingstechnisch war ich heute im Kuuyuukai Dojo in Akasaka unterwegs – hier agiert Takahashi Yuko Sensei – nicht nur das hier eine Frau Chefin eines Karate-Dojos ist, 2 der 3 Assistenztrainer(innen) sind auch Frauen. Im Bereich Karate sind vornehmlich Männer als Sensei unterwegs – Frauen als Sensei sind Mitgliederbezogen unterrepräsentativ – da macht das Kuuyuukai Dojo explizit eine Ausnahme.

Beim Karate-Training müssen sich beide Seiten aufeinander einlassen. Für einen jungen weiblichen Sensei ist es besonders schwierig, wenn das Dojo voll mit Männern steht. Bisher habe ich Nakamura (Takagi) Ayano als junges verrücktes Karatemädel betrachtet – nun stand sie mir erstmals als Sensei gegenüber – für beide Seiten eine neue Erfahrung – sie hat mit Bravour bestanden. Sie ist mittlerweile zu einer jungen ernsthaften Frau geworden - frisch verheiratet und bereits Vizeweltmeisterin und aktuell 2malige JKA All Japan Kata Champion ... und ich erwarte noch einiges von Ihr. Ich komme auf meinen Kobayashi Sensei Ibiza Gasshuku Blog zurück - bestimmt sind 50% der Bewegungsdetails von Nakamura Ayano Sensei für mich und meinen Körper illusionär - aber man muss es gesehen haben, die Bilder im Kopf abspeichern und dann im Einklang mit seinem eigenen Körper den richtigen Weg einschlagen.

Zumindest mit der Größe meiner Hände kann ich in Japan immer "punkten"
Das ist etwa mein Bild von JKA-Karate, personell und optisch
 
Bild von Iimura und Tanaka Sensei 1978 im Laden von SHOBU
aber auch Nakamura Ayano Sensei gehört dazu - zum Glück wie ich finde.
Aufgrund der gemischten Gruppen wurden Standards trainiert – und ich bin glücklich darüber – immer wieder zurück zum Ursprung und viele Wiederholungen. Die Summe der eigenen Unzulänglichkeiten ist unermesslich – da braucht es immer wieder solcher Basic-Trainingseinheiten – vor allem wenn man sonst selber vorne steht.
Man erlebt immer wieder und erwischt sich auch selber dabei, dass man durchaus ein Problem damit haben kann, wenn der Sensei vor Einem alterstechnisch der eigene Nachwuchs sein könnte und man zum Zeitpunkt dessen Geburt schon einen schwarzen Bindfaden um seinen Bauch hatte.

Man muss sich darauf einlassen, sonst kann man es auch seinlassen – insbesondere die Altersausrede, die man gerne mal als Joker für sich selber zieht, ist Unsinn – bis 50 etwa kann man vieles kompensieren mit Erfahrung und geschultem Augen – ab 50 muss man wieder mehr trainieren als die jungen Leute, um am Ball zu bleiben – und sich auch auf junge Sensei einlassen – und die müssen den Mut haben dazu.

Hier erinnere ich mich immer wieder an ein Erlebnis vor etwa 6 Jahren – Okuma Sensei war 40 Jahre alt und musste das Honbu Gasshuku Training der Gruppe 6.-8. Dan leiten – ein Großteil der Teilnehmer hätten altersmäßig seine biologischen Eltern sein können und waren schon hochgraduierte Meister, als Okuma Sensei mit Karate angefangen hat. Gleichwohl hat Okuma Sensei das Training um 30 Minuten überzogen und die Teilnehmer kamen klitschnass nach 2 Stunden die Treppen hinunter und sahen nicht glücklich aus – solch ein Vorgang ist für beide Seiten nicht selbstverständlich und vielerorts zerbrechen Karategemeinschaften leider an solchen Konstellationen – siehe etwa Großbritannien nach dem Tod von Enoeda Sensei.

Exkurs 2: Keigo Shimizu Sensei hat heute auf Facebook ein schönen Link zum Heimatland des Karate gelinkt. Das kann man hier täglich sehen und fühlen – auch darauf muss man sich einlassen. Hier meine heutigen Impressionen.
Wolkenkratzer und Hightech bis zum Horizont aber auch Kochen, Essen und Abwaschen an der Straße

Nebeneinander von Grüns, Tradition und moderner Architektur in Akasaka
 

 

 

Mittwoch, 16. November 2016

Tag 3 Nihon 2016


Einige der Meister, bei denen ich regelmäßig und gerne trainiere, geben gerade Seminare im Ausland – Tanaka Sensei in Dänemark, Kobayashi Sensei in Italien, Naka und Okuma Sensei in Irland und Ironie der ganzen Geschichte – Imura Sensei in Berlin.

Schlechtes Timing könnte man meinen – aber manchmal gibt es andere (zeitliche) Prioritäten. Was zunächst wie ein Dilemma erscheint, bringt mich zu einer der wesentlichen Stärken des JKA-Karate. Es gibt eine große Vielfalt von guten Instruktoren – wenn man so will, kann man, wenn man sich darauf einlässt, bei jedem Instruktor seine Rosinen herauspicken und sein eigenes JKA-Karate für seinen individuellen Körper mit allen Vor- und Nachteilen, die ihm innewohnen, formen. Gleichwohl agieren alle Sensei im System des JKA-Karate.

Heute habe ich wieder einen treuen Begleiter gekapert – mein Mietfahrrad – man erlebt viel mehr, wenn man Kreuz und Quer durch die Gegend fährt – als ständig mit der Metro durch den Underground zu rasen.
Alles in allem habe ich gleich heute gute 40 km abgerissen. Erst den Tsukiji-Markt – dann das Asakasa Dojo von Takahashi Yuko Sensei – am 23.11. gibt es die Winner-Party für Ayano Nakamura vormals Takagi – JKA All Japan Kata-Champion 2016. Ich habe ein Präsent abgegeben, das ihr dann zur Party überreicht wird. Ich kann leider nicht da sein. Ich habe mit Takahashi Yuko Sensei die nächsten gemeinsamen Trainingseinheiten geplant. Nebenbei schaute ich mir das Kindertraining an – mit welchem Einsatz und zugleich auch Spaß die kleinen Kinder (5-7) Jahre dabei sind, ist immer wieder schön anzusehen. Und die Muttis kümmern sich selbst um die Erwärmung Ihrer Sprösslinge. Vor und nach dem Training ist viel Kommunikation und Zusammenhalt zu sehen. Das Training birgt auch soziale Aspekte.
Dann ab nach Shibuya in das Hokukan-Dojo von Kobayashi Sensei. Der kam selber erst heute aus Italien zurück, so dass es ein schnelles Wiedersehen mit Ueda Sensei gab. 1 Stunde gemeinsames Training mit 5 jährigen Anfängern – allein das extrem tiefe Stehen für die vielen Kumiteübungen war ausreichend, um mich gut zu belasten. Dann noch 1 Stunde Heian-Katas mit erwachsenen Anfängern und am Ende noch Konditionierungsübungen – ich war platt. Dann 12 km durch das nächtliche Tokio zurück nach Ryogoku – ich haben fertig mit der Welt.

Mich plagt nach 3 Tagen immer noch ein fettes Jetlag – komisch – hatte ich so noch nie – es ist um 17.00 Uhr dunkel und ich kann nicht pennen – wenn es hell wäre – würde ich Insomnia sagen.

 Achso, falls jemand demnächst mal im Honbu-Dojo trainieren will, hier der aktuelle Trainingsplan.
 

Dienstag, 15. November 2016

Tag 2 Nihon 2016


Meine lieben Karatefreunde!
Ich beginne mit dem Ende – ich habe ein Monster-Jetlag und habe zum Einstieg 2 Einheiten bei Ueda Sensei im Honbu Dojo absolviert – solide JKA-Basics im Kihon und Kumite – Tekki 1+2 – mein Fleisch war willig, nur der Geist war müde – nach Ushiro Geri war ich fast am Umfallen.

Der Anfang war heute um 6.00 Uhr.

Mein Plan nach dem ich um 3.00 Uhr munter war und noch etwas Homeoffice betrieben habe: Ich fahre nach Yamanashi und besuche die SHOBU-Karate Wear Company, bestelle mir einen schönen maßgeschneiderten Do-Gi, mache etwas Sightseeing und fahre wieder zurück und lasse mir den Do-Gi nächste Woche ins Hotel schicken.

Tja – mein Plan hat die japanischen Gepflogenheiten grob missachtet – welch ein Fauxpass. Es wurde aus dem Nix heraus einer meiner schönsten Japan-Tage der letzten Jahre.

Die Realität geht so: Um 6.00 Uhr fahre ich sonst nicht JR-Line – volle Rushhour in der Bahn und ich als deutsche Presswurst mitten drin. Da der Limited Express von Shinjuku erst um 8.00 Uhr fuhr, ging es weiter mit dem Local train. Es waren immerhin ca. 140 km – über 3 Stunden hat es gedauert. Mitte November fängt der Herbst hier an – nach den ersten 50 km endete der Großraum Tokio. Ab Hachioji habe ich so schöne bunte Berge mit Bäumen gesehen, wie noch nie. Leider fuhr der Zug zu schnell - zum gut fotografieren.

Gegen 9.30 Uhr kam ich in Yamanashi an und nach ca. 5 min Fußweg landete ich an der SHOBU Manufaktur.

Ich wurde erwartet. Alles wurde ausgemessen – ich wollte meine Adresse aufschreiben – dann hieß es ich könne mir doch 2 Stunden Zeit nehmen und der Do-Gi sei fertig – wow. Das hatte ich nicht erwartet.

Aizawa san, President von SHOBU, gab mir seinen Assistenten an die Seite – ob ich Onsen mag war die Frage – aber natürlich – und los ging es. Zuerst bekam ich mal 2 schöne JKA Handtücher – dann ging es ca. 15 km mit dem Auto die Berge hoch – die Weinberge wohlgemerkt – ich war platt. Welch ein Augenschmaus – Serpentinen, Wein bis zum Horizont und alles voller exotischer Fruchtplantagen im Fuefukigawa Fruit Park
und bunten Ahornbäumen

an den Hängen. Auf ca. 800 Meter Höhe dann das Hottarakashi Onsen – leider war alles noch in Frühnebel gehüllt.

Der Assistent rannte los und bevor ich eingreifen konnte und trotz Protest kaufte er mir eine Eintrittskarte (800 YEN) und noch ein großen ONSEN-Handtuch (1.000 YEN). Wie einigten uns auf 13.00 Uhr. Ab ins ONSEN mit Blick ins Tal von Yamanashi.

Ich genoss den Blick aus dem ersten Becken – der Himmel riss auf
 – ich ging ein Becken um die Ecke und bekam fast Pipi in die Augen vor dem sich mir bietenden Anblick – meine erste und völlig überraschende Begegnung mit dem FUJISAN – zum Glück war das Wasser nur Hüfttief – ich wäre sonst ab gegluckert ………..


um 12.00 Uhr wieder raus und dann bin ich die Serpentinen zu Fuß runter – ich musste noch mal alles ablaufen. Und vor lauter Aufregung habe ich vergessen, meine Kamera zu putzen – deshalb sind die Bilder miserabel.

Zurück bei SHOBU – der Do-Gi fertig – noch Gratis Präsente vom Chef – und dann mit dem Limited Express in nur 90 Minuten zurück - der hatte Übrigens 11 Minuten Verspätung – ich denke der Zugführer wird Abends bei Appell der Lokführer ein Harakiri vollzogen haben.

Das waren fast zu viele Eindrücke für einen Tag.

JAPAN-Live – ich liebe es. OSU ano domo arigato gozaimashita SHOBU Company.

 
http://www.yamanashi-kankou.jp/foreign/english/stay/037.html