Herzlich Willkommen auf dem neuen gemeinsamen BLOG des Karatedôjô Fujinaga Leipzig e.V. und des Budoverein Fujinaga Berlin e.V.!
An dieser Stelle möchten wir dem interessierten Besucher mit Beiträgen, Berichten und Bildern einen Einblick in unser Training, unsere Aktivitäten und unsere Erlebnisse gewähren. Dabei soll immer auch unser Verständnis und unser Antrieb, mit dem wir in unseren Dôjôs Karate praktizieren, zum Ausdruck kommen.
Unsere Vereine widmen sich der Pflege und Ausübung des traditionellen Shotokan-Karate, wie es von der JKA (Japan Karate Association) unter der Leitung von Masatoshi Nakayama entwickelt wurde. Insbesondere wird das Erbe der Lehrtätigkeit von Yasuyuki Fujinaga Sensei in stillem Gedenken die Vereinsmitglieder auf ihrem Weg des Karate begleiten. Er vermittelte den Gründern beider Vereine unschätzbare Anregungen und Einsichten.

Weitere Informationen finden Sie auf unseren Homepages.

Dienstag, 26. August 2025

Warm-up in Chiba

Aufwärmen im Sommer ist Unsinn - es ist immer warm, außer man liebt Klimaanlagen und lässt die 24 Stunden laufen. Ich bin kein Fan, gleichwohl kann ich nur hoffen, dass das Uni-Dojo in Ise auch klimatisiert ist, wie in Chiba. Anders als die meisten Dojos sonst in Japan, sind Uni-Dojos meist geräumig, haben Duschen und sanitäre Anlagen sowie Kilmaanlagen.

Die ersten Tage trainieren die beiden Unimannschaften separat. Ab Mittwoch nachmittag wird gemeinsam trainiert. In Chiba gab es 4 Tage a 3 Trainingseinheiten. 6.00 - 7.30 Uhr Jogging und Athletiktraining. Dann Karatetraining von 10.00 - 12.00 und 13.30 - 15.30 Uhr. Ich durfte das 6.00 Uhr Training schwänzen.

Ab Mittwoch geht es dann ab Nachmittag unter der Leitung von Nemoto Sensei weiter in Ise. Zum Wochenende hin, wenn alle schon etwas durchhängen oder aber voll im Saft stehen, wird es dann besonders "heiß", weil dann nach und nach die ehemaligen Studenten (Sempai´s) beider Universitäten aus allen Landesteilen dazustoßen. Diese Karateka sind besonders erfahren und werden die aktuellen Studenten fordern und fördern. Im Team der Chiba Technologie Universität trainiert seit fast 2 Jahren Dominik aus München. Ich habe vollen Respekt für seine Leistungen - insbesondere sein ungebrochener Kampfgeist sticht hervor. Es hat sich gut assimiliert, spricht mittlerweile gut japanisch und ist von allen anerkannt. Dafür musste er viel leiden. So sieht Karate-Do aus - Mühe geben und Demut zeigen. Dominik hat das wohl beschwerlichste Teilstück dieses Weges schon absolviert - einen langen Karateaufenthalt in Japan.

Heute gab es in Chiba eine Zwischenbilanz mit einem kleinen Buffet. Ich habe etwa 4kg Würste aus Deutschland, Ungarn, Polen, Italien und Frankreich, dazu Schweizer Käse, Schwarzbrot und Spreewälder Gurken nach Japan geschmuggelt, und mich so beim Team für die wiederholte Aufnahme eines alten Mannes in ihren Reihen bedankt. Ich klaue dort regelmäßig ein wenig Jungbrunnen für mich, wenn man gemeinsam mit den Anfang 20-Jahre alten Jungs trainiert.

Ganbatte kudasai in Ise. OSSU!



        

    

Montag, 25. August 2025

Japan im Sommer

Ohayo gozaimasu aus Narashino, es ist eingetreten, was ich bislang für unmöglich gehalten habe - eine Reise nach Japan im Sommer. Meine Verhinderung im November einseits (meine typische Reisezeit) sowie die Möglichkeit, völlig neue Dinge zu erleben, haben mich bewogen, eine Ausnahme zu machen. 

Zunächst werde ich die gesamte letzte Augustwoche an einem Universitäts-Gasshuku teilnehmen - 7 Tage gemeinsames Training mit Studenten die JKA-Karate trainieren. Die ersten 2 Tage an der Chiba Technologie Universität. Dann geht es 500km nach Süden in die Stadt Ise in der Präfektur Mie. Dort wird von Mittwoch bis Sonntag an der Kogakukan Universität Ise trainiert. Jedes Uni-Team trainiert zunächst 2 Tage für sich, dann wird 5 Tage gemeinsam trainiert. Es wir dann eine feierliche Andacht im Ise-Schrein geben. Dabei handelt es sich um den ältesten und bedeutensten Shinto-Schrein in Japan. Wir werden dabei auch einen für die Öffentlichkeit nicht zugänglichen Bereich betreten. Es gibt auch eine Party sowie eine Feierstunde für 60 Jahre Karate-Verdienste von Shinomiya Sensei - Verbandschef der JKA-Chiba. Er gründete seinerzeit den Karate-Klub an der Kogakukan Universität in Ise.

Abgesehen von den normalen Trainingseinheiten in Narashino werde ich dann am ersten Septemberwochenende das JKA-Chiba Gasshuku in Katsuura besuchen. Auch das ist eine neue Veranstaltung für mich. Als JKA-Mitglied der Präfektur Chiba gehört diese Veranstaltung noch zu meine ToDo-Liste. Ich werde dazu im Detail berichten.

Die größte Herausforderung dürften die herrschenden Temperaturen sein. Hohe Luftfeuchtigkeit bei ca. 34-38 Grad und Nachts nicht unter 28 Grad - das könnte spannend werden. In Bälde OSSU!



Dienstag, 12. November 2024

4-Augen-Keiko

Es dürfte wohl als überliefert gelten, dass früher die Meister auf Okinawa durchaus nur einen Schüler unterrichtet haben. Allein 4 Augen im Dojo, der Sensei und der Kohei, sind Fluch und Segen zugleich, je nach Betrachtung.

Fluch - In einem normalen Training (mehrere Teilnehmer) hat man unwillkürlich auch seine Entspannungsphasen, wenn die Intensität sehr hoch ist. Im 4 Augen Training haften die Augen des Sensei unablässig am einzigen Schüler. Das ist die Hölle, da man sich keine Entspannung gönnen kann.

Segen -  In Sachen Zugewinn ist aber ein solches Training sehr ergiebig, denn der Sensei hat die Möglichkeit, jeden Makel des Schülers zu erkennen. Dabei treten Dinge zu Tage, die in einem Standardtraining mit mehreren Teilnehmer untergehen.



Fluch - Man muss in einer solchen Situation mentale Stabilität haben, sonst zerfressen einem die Selbstzweifel. Man darf nicht alles in Frage stellen, obwohl einem der Sensei das Gefühl vermittelt, blutiger Anfänger zu sein, wenn grundlegende Dinge in seinen Augen nicht korrekt ausgeführt werden.

Segen - Ein solches Training erzeugt Demut, die etwa für das Dojo-kun und die Persönlichkeitsentwicklung enorm wichtig sind. Zudem kann man durch die Intensität dieses Trainings das erlangte Körpergefühl speichern, um es dann später wieder zu reproduzieren. So kann man sich auch noch nach vielen Jahren des Übens weiterentwickeln.

Ganbatte kudasai.   

Nemoto Isao Shihan "lädt" mich nach dem gemeinsamen Frühstück immer mal wieder zum 4-Augen-Keiko ein. Das Dojo befindet sich im Haus.


Dienstag, 5. November 2024

Japanische Härte

Budokan Unimeisterschaften 2023 AllJapan

Der Wettkampf ist nur eine Episode des Karate-Do, insbesondere wenn man es als lebensbegleitendes Budo betreibt. Gleichwohl: Die Kämpfe und die Kata-Darbietungen der erst gerade beendeten 16. JKA-WM habe ich noch im Kopf. Wie man auch immer einzelne Kampfrichterentscheidungen bewerten möchte - die Mehrheit der japanischen Kaderathleten spielen in einer eigenen Liga.

Warum das so ist, ist mir in den ersten 36 Stunden hier gleich wieder vor Augen geführt worden. Japan und japanisches Training lässt sich nicht kopieren. Man muss letztlich hierher kommen und die Zeit, Kraft und Leidensfähigkeit aufbringen, mit Demut in die Tiefe des Karate einzutauchen. Exemplarisch nenne ich hier Melissa Rathmann, auf den Wettkampf bezogen eine deutsche Kataathletin. Sie war schon vorher eine exzellente Wettkämpferin. Nach Ihren 2x 6 Monaten Japantraining agiert sie als einige der wenigen weltweit nun in Bereich Ihrer japanischen Konkurrentinnen.

Aber auch Melissa kann die ersten Jahre Karatetraining ohne Japan nicht ersetzen. Man kann davon halten was man will, aber schon die Kinder und Jugendlichen werden hier über ihre Leistungsvermögen hinaus gefordert. An den Unis wird faktisch mit militärischen Methoden ein Drill praktiziert. Vor und nach dem Training findet hier ein netter und achtsamer Umgang miteinander statt. Im Training aber werden erbarmungslos 110% und mehr verlangt. Das stellt niemand in Frage.

Das aktuelle Beispiel aus meinem "familiären" japanischen Umfeld: Nemoto Sensei hat 3 Kinder und ist ein fürsorglicher und lieber Papa.

Wir haben uns am Montag auf dem Flughafen getroffen - er kam vom Funakoshi Sensei Jubiläumstraining aus Okinawa zurück. Es war Feiertag in Japan und die Heimreise dauerte bis 18.00 Uhr. Gleichwohl zog er sich im Haus und Dojo seines Vaters sofort um. Ich wohne hier. Dann mussten sein ältetester Sohn sowie dessen gleichaltriger Cousin ab 18.30 Uhr ein 2 Stunden Sondertraining absolvieren.

Heute war um 20.30 Uhr Schluss im Tsudanuma Dojo. Ich wartete im Auto zusammen mit Nemoto Sensei und sein 16 jähriger ältester Sohn kam in Schuluniform gerade vom Highschool-Unterricht. Anstatt mit mir das vorbereitete Dinner seiner Mutter zu essen, ging es sofort ins heimische Dojo. Dort warteten schon 2 extra einbestellte Studenten aus der Unimannschaft und es wurde bis 22.00 Uhr Kumite trainiert. Dann gab es was zu Essen. Ich fragte Nemoto Sensei, ob sein Sohn kein Training an der Highschool hatte. Doch sagte der Sensei, die haben dort täglich Training. Aha. Übrigens hatten die Studenten heute auch schon 5 Stunden Training hinter sich von 6.30 - 8.30 und von 17.00 - 20.00 Uhr. In 2 Wochen sind im Budokan die Alljapanischen Studentenmeisterschaften. Zur Trainingsintensität sage ich jetzt mal nichts.

Abendlicher Drill bis zum Umfallen 


Japan 2024 2. Runde

Ich stehe noch im Berufsleben und kann daher meinen Arbeitsplatz nicht wesentlich länger als 14 Tage verlassen. Nach den vergeudeten Coronajahren "muss" ich nun 2x jährlich nach Japan, um die ausgefallen Jahre zu kompensieren, obwohl Lebenszeit nicht reproduzierbar ist.

Im April habe ich keine Zeit gefunden, um zu berichten, obwohl es mich zum Jubiläums-Spring-Course der JKA nun erstmals an die Quelle des Karate nach Okinawa verschlagen hatte. Im übrigen bin ich hier seit 2018 in den japanischen Alltag integriert, da fehlt schlichtweg die Zeit zum Ausgleich den Blog zu schreiben im "einsamen" Hotelzimmer. Mir gehen auch langsam die Themen aus, ohne dass ich nach schaue, was früher aus meiner imaginären Feder geflossen ist.

Ich gebe mir Mühe. Die erste Nacht war nur 3 Stunden kurz - die volle Jetlag. Nach 3 Stunden Lesen bin spazieren gegangen und habe mir um 5.00 Uhr morgens einen 24h-Supermarkt in aller Ruhe angeschaut. 

Zum Mittag dann mal Soba - Kalte Nudeln mit eine Sauce zum Dippen und Beilagen.

Vor den beiden Trainingseinheiten an der Uni und im Tsudanuma Dojo haben wir noch eine Tempelanlage besucht, die die Vorfahren von Nemoto Sensei mütterlichseits vor 400 Jahren errichtet haben. Ich hoffe das Training lässt mich heute Nacht durchschlafen.