Herzlich Willkommen auf dem neuen gemeinsamen BLOG des Karatedôjô Fujinaga Leipzig e.V. und des Budoverein Fujinaga Berlin e.V.!
An dieser Stelle möchten wir dem interessierten Besucher mit Beiträgen, Berichten und Bildern einen Einblick in unser Training, unsere Aktivitäten und unsere Erlebnisse gewähren. Dabei soll immer auch unser Verständnis und unser Antrieb, mit dem wir in unseren Dôjôs Karate praktizieren, zum Ausdruck kommen.
Unsere Vereine widmen sich der Pflege und Ausübung des traditionellen Shotokan-Karate, wie es von der JKA (Japan Karate Association) unter der Leitung von Masatoshi Nakayama entwickelt wurde. Insbesondere wird das Erbe der Lehrtätigkeit von Yasuyuki Fujinaga Sensei in stillem Gedenken die Vereinsmitglieder auf ihrem Weg des Karate begleiten. Er vermittelte den Gründern beider Vereine unschätzbare Anregungen und Einsichten.

Weitere Informationen finden Sie auf unseren Homepages.

Sonntag, 17. November 2019

Nihon 2019 Tag 9

Kurz ein Suppe geschlürft - alle 3 Nemoto Kinder und die Ehefrau schlüpfen in den KarateGi
und los geht es zu neunt in das Uni-Dojo von Chiba - am Sonntag können auch andere Karateka aus den umliegenden Nemoto-Dojo hier trainieren - insbesondere kommen aber Kinder - auch mit ihren Eltern.
Der tägliche Tempelbesuch - der jüngste Sohn Haruto ist nicht im Bild, weil er umgehend meine freie Hand ergriffen hat. Frau Nemoto sagt, dass er einen Narren an mir gefressen hat. Haruto ist ein aufgeweckter und frecher Bursche, der seine beiden älteren Geschwister ständig neckt.
Von 10-12 Uhr ist Kihon und Kata Training, dann ist 1 Stunde Lunchzeit und dann gibt es von 13-15 Uhr Kumitetraining.
Das Team auf der Wiese

Der Sempai Tisch - Frau Nemoto hat den Lunch selbst gekocht
Es gibt hier klare Hierarchien wie überall in Japan, gleichwohl ist alles sehr freundlich und alle sind nett miteinander. Der Zusammenhalt der Mitglieder ist enorm - man kann spüren, dass diese Verbindungen lebenslang gepflegt werden.
Da ich am rechten Knie doch etwas verletzt bin (ein sehr hoher Ashi Barai) und mich nun auch noch eine Schulterentzündung rechts plagt  - musste (konnte) ich nicht voll mittrainieren. So kam ich zu meinem ersten KarateTraining, dass ich in Japan leiten konnte. Die Gruppe wurde geteilt und Nemoto Sensei bat mich, Bassai Dai zu unterrichten.
Am Ende mussten dann alle ihre Kata in 3er Gruppen präsentieren. Ich war zunächst überrascht, dass die jeweils 3 Bassai Dai Pratikanten umgehend nach Ausführung zu mir eilten, sich verbeugten und mich mit großen Kulleraugen anschauten. Dann dämmerte es bei mir. Ich sollte ihnen die Fehler bei der Auführung der Kata mitteilen.
Mein Lieblingsbursche Haruto in der vorderen Reihe mit der bunten Flasche in der Hand

Dann ging es direkt zurück in meine angestammte Unterkunft. Im Nebenhaus des zweitältesten Bruders war der Tisch schon wieder reichlich gedeckt und die halbe Familie war anwesend. Zwischen 18 und 19.00 Uhr war dann zum Glück schon Schluss, denn ich werde heute Nacht bereits um 2.30 Uhr aufstehen müssen.
Nemoto Sensei und seine beiden ältesten Brüder wollen mich morgen in aller Frühe zu einer völlig neuen Art des Sportes entführen - auch eine Premiere für mich hier in Japan. Dazu morgen dann mehr.

Nihon 2019 Tag 8

Ich war jetzt 36 Stunden nicht in meinem Zimmer - deshalb musste ich meinen Schreibrythmus ändern.
Es ging am Samstag früh um 7.30 Uhr los. Die Meisterschaften fanden im Bunkyo Sport Center statt - in unmittelbarer Nähe der Takushoku Universität.
Die Starter fangen an sich nach Präfekturen aufzustellen
Meine aktive Wettkampfzeit liegt schon einige Zeit zurück. Gleichwohl hatte ich mir fest vorgenommen, eine offene Sache zu erledigen, nämlich an einem Karatewettkampf im Heimatland der Kampfkunst zu absolvieren. Den Plan hatte ich schon für 1995 gefasst - nur begrub damals der Tod von Fujinaga Sensei dieses Vorhaben.
Wie alle Veranstaltungen hier, gab es einen straffen Zeitplan, der natürlich eingehalten wurde. Aus ganz Japan sind Starter angereist. Bei den Frauen ab 35 und bei den Männern ab 40 gibt es Altersklassen in 5Jahresschritten bis über 65 bzw. über 70 Jahre. Es gab auch ein Teamwettbewerb mit unterschiedlich alten Startern (4×Kumite 1×Kata).
Die Nackenmassage, die ich vom anwesenden Tanaka Sensei erhielt, hatte leider nicht die erhoffte Wirkung
Die Woche über hatten Tanaka und Nemoto Shihan an meiner GoshoshihoDai noch herumgeschraubt - trotzdem unterlief mir ein technischer Fehler an der befürchteten Stelle - es dürfte der 4-6 Platz sein, ich war zu verärgert, um mir die genaue Punktzahl zu merken.Natürlich habe ich mich für beide Disziplinen angemeldet. In der Kata-Vorrunde gab es Flaggensystem mit Heian1-5 und Tekki 1. Die besten 8 im Finale konnten dann ihre TokuiKata präsentieren.
Viele Honbu-Dojo Instructoren sowie bekannte Sensei - hier Seto Shihan - waren als Shimpan anwesend
Im Kumite war im Viertelfinale in der Verlängerung Schluss - ich war nicht wach genug und mein Gegner konnte mit einem simplen frontalen Jodan Tsuki den einen entscheidenden Wazaari machen.
Generell fehlt aber die Wettkampfpraxis - aber gut besetzte Seniorenwettkämpfe finden in Deutschland andersals hier faktisch nicht statt. Vielleicht ändert sich das nun, da die JKA ab 2020 auch Seniorenkämpfe bei der WM ausrichtet.
Siegerehrung
Meine Blessuren spüre ich erst heute, am Sonntag. Schuld daran ist auch die lange Nacht bis um 3.30 Uhr mit 4 Stationen.
Erst in Narashino ein Restaurantabend mit allen möglichen Sensei und Sempai rund um die Uni von Chiba,
Karate-Sempais der Chiba Uni
dann von 22.00 - 1.00 Uhr Karaoke (mein erstes Mal),
Nemoto Sensei als Sänger - das können die hier alle gut 
dann noch bis um 2.00 Uhr in einem und zuletzt dann noch im Wohnzimmer von Nemoto Sensei mit den aktuellen Sempais aus der Unimannschaft. Am Ende wurden dann Schlafmatten für alle 5 Teilnehmer ausgerollt um um 8.30 Uhr tobten schon die Kinder von Nemoto Sensei auf uns herum.
Solche nächtlich Lagebesprechungen finden wohl öfters statt, so griffbereit we das 

Freitag, 15. November 2019

Nihon 2019 Tag 7

Nemoto Shihan hat mir gestern einige wenige Dinge mit auf den Weg gegeben und meinte, ich solle diese heute Vormittag selbständig üben. Gesagt - getan.
Solch eine Einzelunterrichtung hat es in sich, aber etwas Wertvolleres gibt es nicht. Der Sensei kann sich auf den einzelnen Schüler konzentrieren. Und so bekam ich ein paar technische Details vermittelt, die so bislang in meinen 35 Jahren Karate-Do noch niemand gesagt hat. Die Umsetzbarkeit steht im Widerstreit mit körperlichen Defiziten - aber es zu wissen kann nicht schaden. Vielleicht bekomme ich meinen Körper doch noch umerzogen. Ein Standarddefizit ist zuviel Vorspannung im Oberkörper.
Auch der Haushund akzeptiert mich jetzt und bellt mich nicht mehr an wie den Paketboten - hier morgens eine Begrüßung am Fenster
Über die Mittagszeit und Nachmittags habe ich die Umgebung mit dem Fahrrad erkundet. Dank Google-Maps gibt es ja genügend Empfehlungen und die Route dahin.
Tempel allenthalben 
Schöne alte Wohnanlage zum besichtigen - ohne Eintritt

Unterwegs kreuzte sehr tief ein Militärflugzeug und dann sprangen mehrmals 10 - 20 Fallschirmjäger heraus.
Suchbild - ich konnte so schnell nicht zoomen
Die Frau des Hauses erwartete mich dann schon zum Essen und da es Punkt 4 war, hatte ich nun Zeit mal einen Tag die komplette Makuuchi des KyushuSumoBasho gemeinsam mit Nemoto Shihan zu schauen. Bisher konnte ich jeden Japaner mit meinem Sumofachwissen überraschen - so auch hier - Namen aller Teilnehmer, Schiedsrichter, Kampftechniken und Begriffe des Regelwerkes.
So nebenbei erwähnte der Hausherr, dass er mich dann nach dem musubi no ichiban (letzter Kampf des Tages im Sumo) zum Training erwartet.
Alle Heian Kata und Tekki Shodan standen zunächst auf dem Programm. Gegen 18.30 Uhr füllte sich dann das Dojo mit Kindern und Jugendlichen.
8x10 Meter Dojo - heute mit 20 Teilnehmern - zunächst denkt am, wie niedlich die jap. Kinder, aber beim üblichen Shobu Ippon im Training habe ich bemerkenswert schnelle und harte Techniken gesehen!
Wir pausierten. Dann Training leitete der 2. Nemoto Sohn. Der Shihan signalisierte aber, dass wenn Platz zur Verfügung steht, wird weiter trainieren. Zunächst schraubte er an meinem Neko-Ashi-Dachi herum, bis mir fast die Oberschenkel platzten.
Dann gab es Kumiteübungen. Er kritisierte Vorbereitungsbewegungen mit einem scharfen Blick. Dann wollte er meine LieblingsKampfKombinationen sehen. Dann ging es um die richtige Distanz (Ma-ai) - die dann ansatzlos zu überwinden war. Ich habe zum ersten Male mehr Lob als Kritik vernommen.
Nemoto Keisuke Sensei kam vom Unitraining und so langsam trudelte wieder ein Großteil der Familie ein - einige Enkelkinder waren auch beim Training zuvor. Es gab Essen, nur 1 kleines Bier und dann ging es ab ins Bett - ich natürlich nicht, ohne meinen Block zu schreiben.
Ich habe schon viele Sachen im Karate absolviert  - morgen kann ich aber mal seit Langem eine völlig neue Erfahrung machen. Es gibt kein Zurück mehr. Um 6.30 Uhr klingelt der Wecker und um 7.30 Uhr geht es ab nach Tokyo in das Bunkyo Sport Center. All Japan JKA Senioren Championships - auch Tanaka Sensei kommt vorbei - hoffentlich gelingt es mir - locker zu bleiben.

Donnerstag, 14. November 2019

Nihon 2019 Tag 6

Heute morgen bin ich die Präfektur Hauptstadt gefahren, um dort bei einem 1A Supermarkt einzukaufen. Solche Sachen wie Hefe, Sauerkraut, ungarische Salami, Bautzener Senf und Dresdner Stollen hatte ich dabei - der Rest war hier zu organisieren. Kein Problem wenn es Märkte wie Seijo Ishii gibt. Ich habe wirklich (fast) alles bekommen - außer Quark. Bevor meine 6 Stunden Küchenarbeit beginnen konnten, fand zunächst ein 4 Augentraining statt + Frau Nemoto als fachkundiger Gast.
Frühstück

Nemoto Sensei Elternhaus

Die Zwischenetage ist ein Dojo, darunter ein Büro
Soviel Kontrolle und Aufmerksamkeit gibt es selten. Heian Yondan, Tekki Shodan und Goshushiho-dai hatte ich unter den Augen von Nemoto Shihan zu trainieren. Die Kunst großer Meister ist es, die zwei bis drei wirklichen Probleme zu erkennen, die man hat. Nemoto Shihan benutzt einen kleinen Übersetzungsautomaten - ich übrigens auch - die drolligste Übersetzung in Sachen GoshoshihoDai war: "Die äußere Form ist nicht so schrecklich".
Seine Hinweise waren alle auf den Punkt gebracht.
Danach gab es ein lockeres Randori mit dem 76jährigen Meister, der bereits 2 Krebserkrankungen überstanden hat und dabei 15kg verloren hat.
Nemoto Shihan
Es ist immer wieder beeindruckend - auf einer Straße etwa würde man ein solches älteren Herren vom äußeren Erscheinungsbild Hilfe anbieten  - im Dojo mit Gi steht auf einmal ein anderer Mensch vor Dir. Die Mae Geri vom Shihan waren selten gut,  ich konnte sie anzusehen,des geschweige denn blocken. Nach ca. 15 Minuten war dann aber Schluss  - unter dem Dojo sind Büroräume und wir waren zu laut.
Ich habe mir die wichtigen Hinweise in mein Trainingsbuch notiert- wie immer übrigens.
Dann ging es ab in die Küche. Letztlich kamen 12 Erwachsene und 10 Kinder. Die Tochter von Nemoto Sensei brachte mir eine Art Wunschzettel auf Deutsch - ich war gerührt.

Da es hier im Haus keinen Ofen gibt, habe ich meinen Hefestreuselkuchen im Nachbarhaus gebacken - natürlich ein Nemoto.
Es war ein schöner Abend mit einer wundervollen Familie. Es erschien auch der Bruder von der Hauschefin - ein Musiker der auf Deutsch Lieder sang und früher einige Zeit in Österreich lebte und Judo praktiziert. Ich glaube hier gibt es niemanden, der keine Budokampfkunst betreibt.
Letztlich packten sich alle die Büffetreste ein - da freut sich der Koch.
Fast vollzählig - 4 Erwachsene fehlen noch


Nemoto Shihan nahm mich noch beiseite und sagte mir, ich solle Vormittag schon mal alleine seine Punkte trainieren - er kommt nach einem Meeting dann dazu. Er war übrigens als Wissenschaftler in Andenes/Norwegen, hat dort Sender an Wale montiert und dann die Wale begleitet.

Mittwoch, 13. November 2019

Nihon 2019 Tag 5

Wenn man nicht in einem namenlosen Hotelzimmer campiert, erlebt man andere Dinge - das machte für mich das Angebot der Nemoto Familie so reizvoll. Man wird irgendwie in den alltäglich Ablauf der Familie integriert und versuche ernsthaft meine angekündigte Anspruchlosigkeit zu offenbaren. Da aber die "Chemie" von Anfang an gepasst hat, gibt es sowieso keine Probleme. Das Familienoberhaupt kümmert sich um mich, wie um einen von seinen 4 Söhnen. Heute morgen wurde erstmal mein wohl kleiner Muskelfaserriss verarztet und nach dem Training heute Abend wurde ich nach dem Duschen wieder neu abgetapt.  Es gab eigenwilliges Frühstück und danach haben ich mit dem Hausherr und seinem großen Hund, eine japanische Rasse, eine ausgiebige Rundfahrt in der hiesigen Gegend mit dem Fahrrad unternommen.
Dann haben wir den morgigen Tagesablauf durchgeplant. Einkaufen-Backen-EinzelTraining im hauseigenen Dojo mit dem Hausherren, Nemoto Shihan, 8. DAN JKA-Kochen-BüffetStart 19.30 Uhr. Ich mache mein geplantes Büffet für die Großfamilie. Dazu fahre ich früh morgens in die Hauptstadt der Präfektur - ChibaCity. Warum ich gerade dorthin will war die allgemeine Frage. Dann war das Erstaunen und das Lachen groß, als ich berichtete, dass ich mir von meiner jap. Freundin Hisae einen speziellen Markt empfehlen lassen habe
und ich zuvor bereits am Dienstag dort war, um zu prüfen, ob ich meine weiteren Zutaten auch bekomme. Ich habe ganz spezielle Dinge in einem Extrakoffer schon von zu Hause mitgebracht.
Dann bin ich erfolgreich durch Ryogoku gestreift, um noch weitere 2020er Sumokalender für den Hausherren und Tanaka Sensei zu bekommen - denn zufällig hatte der Sumoshop im Kokugikan heute zu.


Dann habe ich um 16.00 Uhr Tanaka Sensei zum Kaffee überrascht und justament startete im Fernsehen die Makuuchi Sumo Live Übertragung aus Fukuoka.
Suchbild - wo steckt der Gärtner?

Dann starteten wir nach Koganei und den Rest vom Sumotag gab es im Auto - anders als in Deutschland ist hier Fernsehengucken während der Fahrt nicht verboten. Am Dojo stiegen wir erst aus, als auch der Yokozuna Kampf beendet war.
Dann war von 18-21 Uhr Training im Shokukan Dojo. Vor dem Kindertraining setzten sich alle auf dem Boden und der Sensei erläuterte, wer ich bin. Dann sollten die mir die Kinder zwischen geschätzt 5 und 13 Jahren Fragen stellen, möglichst auf Englisch oder sogar Deutsch. Die Situation war rührend und lustig zugleich.
Mittwoch liegt der Schwerpunkt bei Kihon und Kata - Freitag bei Kumite. Heian und Tekki 1 waren zunächst der Schwerpunkt - im Erwachsenentraining wurden dann die jeweiligen TokuiKata geübt. Und so schraubte Tanaka Sensei an meiner GoshoshihoDai herum bis mir der linke Oberschenkel fast platzte.
Gleiches wird mir morgen wohl imEinzeltraining hier im Hause drohen.
Am letzten Tag meiner Reise 2018 kam ich wie das Kind zum Bade in dieses HomeDojo, in dem Keisuke Nemoto Sensei seine ersten Karateschritte machte, und wagte kaum den Gedanken auszusprechen, auch mal in diesem wohl historischen Dojo zu trainieren  - und schon morgen wird es Realität  - unglaublich.
Nemoto Sensei als Judoka zu High School Zeiten